DIE KLEINE KAPELLE AM JAKOBSWEG

Plan, wie der «Heilig-Haus-Teil» in Nazareth an die Höhle angebaut war. (Plan Sauren).

Die Höhle in Nazaret, ist heute noch bestehend.

«Hier ist das Wort Fleisch geworden» steht heute in diesem in Marmorverkleideten Hausteil in Loreto bei Ancona.

Loreto Biberegg ist eine Nachbildung dieses Häuschens, wie es um die Jahre 1700 vielerorts üblich wurde.

Die Familie von Reding machte es den Pilgern auf dem Jakobsweg somit möglich, während der Reise nach Compostella auch noch die Loreto-Gnade zu erwerben, indem sie sich in Rom die Affiliation der Kapelle erbaten.

Die Landstraße, die durch Biberegg führte, war früher die einzige Verbindung zwischen Einsiedeln und der Umgebung des Zürichersees einerseits, mit Schwyz, dem Vierwaldstättersee und dem St. Gotthard anderseits. Die Burg zu Biberegg mit ihrem Besitz an Grundeigentum, der sich bis an die Lezemauer beim «Rothen Turm» und abwärts bis nach Sattel erstreckte, bildete zugleich die Grenze zwischen der alten Grafschaft Lenzburg und der Grafschaft Rapperswil oder deren Schirmvogtei Einsiedeln.

Im Jahre 1269 kaufte die Familie von Reding die Besitzungen und Rechte der ehemaligen Lenzburgischen Höfe. Dadurch waren sie von jeglicher Unterdrückung frei und unabhängig. Bis gegen das Ende des 15. Jahrhunderts lebte die Familie von Reding auf dem «Schloß» Biberegg. 1466  wurde zu Oberarth der Landammann Ital von Reding der Jüngere von einem Feldkircher ermordet (Racheakt der Habsburger nach der Bluttat von Greifensee). An der Stelle des Mordes (an der Stelle des alten Reding-Besitzes) ließ seine Witwe mit päpstlichen Privilegien die jetzige Kapelle zu Oberarth erbauen. Von diesem Zeitpunkt an blieb ihr Stammsitz zu Biberegg unbewohnt und war dem allmählichen Verfall preisgegeben. Die großen Güter dieses Hofes wurden verkauft, bis auf das kleine Grundstück, wo heute die Kapelle steht und wo sich das Pfrundhaus, bzw. die Kaplanei befindet.

1679 faßte der Landammann und Bannerherr zu Schwyz, Wolfgang Dietrich Reding von Biberegg, den Plan einer Kapelle. Sein Sohn, Abt Augustin Reding von Einsiedeln, legte im selben Jahr den Grundstein. Sein Nachfolger Raphael von Gottrau segnete die Kapelle 1693 ein. Die Konsekration erfolgte am 3. November 1701 durch Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg. Die Stiftungsurkunde (1679) für die Kapelle und die Pfründe zu Biberegg ist erhalten. 

Von einer Romreise im Jahre 1684 überbrachte der Fürstabt von Einsiedeln, Augustin Reding, der Kapelle die Statue der Virgo Lauretana, die in Loreto als Nachbildung angefertigt wurde. 1783 wurde ein Partikel des heiligen Kreuzes mit großer Feierlichkeit in die Kapelle von Biberegg übertragen.

1783 erfolgte die Einführung der Bruderschaft der «Letzten End-Gnade», die mit großer Feierlichkeit vollzogen wurde. Die edle Familie Reding hatte sich mit einem Gesuch an Papst Pius VI. gewendet und sogleich Erhörung gefunden. Die Bulle für die Einführung dieser Bruderschaft an der Loretokapelle in Biberegg wurde am 13. Mai 1783 von Papst Pius VI. ausgestellt. Das Original der Bulle befindet sich im Archiv der Familie von Reding.

Wichtiger noch als die Einführung der Bruderschaft der «Letzten End-Gnade» war für Biberegg die Vereinigung und die Affilierung (Gleichstellung) der Loretokapelle in Biberegg mit dem heiligen Haus und der Basilika zu Loreto in Italien.

Diese Vereinigung und Gleichstellung der Kapelle zu Biberegg mit der berühmten Wallfahrtskirche zu Loreto wurde unter Papst Pius VII. durch ein besonderes päpstliches Privilegium am 3. Februar 1807 ausgesprochen und für alle künftigen Zeiten für gültig erklärt. Es ist daher seit dieser Zeit eine Wallfahrt nach Biberegg mit den ganz gleichen Ablässen, Gnaden und geistlichen Vorteilen und Früchten verbunden, wie eine Wallfahrt nach Loreto in Italien selbst.

Wenn man nun weiß, wie reichliche Gnaden und Ablässe in Loreto gewonnen werden können, da ja Loreto einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt ist, so möchte man darüber erstaunt sein, wie dieser kleinen, einsam in einem Hochtal gelegenen Kapelle ein so außergewöhnlicher Vorzug zuteil wurde. Der Erklärungsgrund für diese außerordentliche Indulgenz des Heiligen Stuhles liegt im Umstand, daß sich die edle Familie Reding von jeher nicht bloß um Freiheit und Vaterland, sondern auch um die katholische Kirche und den Heiligen Apostolischen Stuhl große Verdienste erworben hatte und daß sie in Anerkennung derselben von Papst Pius VII. und seinem Legaten in der Schweiz solcher Privilegien für würdig gehalten wurde.

Zu früheren Zeiten führte der Wallfahrtsweg nach Einsiedeln für die Wallfahrer aus den Urkantonen und aus Luzern, aus dem Wallis, aus dem Elsaß über die Landstraße von Brunnen nach Biberegg. Da die Kapelle nur einige Minuten von der Landstraße entfernt stand, führte der folgende Wegweiser die Pilger dorthin:

 

Geh, Pilger, hin nach Biberegg, 

Maria deine Bitt’ einleg’;

Denn hier sind all’ Abläß’ und Gaben

Wie in Loreto selbst zu haben.

 

Nachstehend ein schönes Gebet der Bruderschaft von Biberegg:

 

«Heilige Lauretanische Mutter! Du bist die Mutter der schönen Liebe. So siehe denn mit den Augen deiner Barmherzigkeit dein Pflegkind an, wie ich, mit Sünden beladen, um deine mütterliche Hilfe flehe. Ach! Erwirb mir durch deine und deines Bräutigams Fürbitte die Gnade, mein Leben zu bessern, besonders aber die letzte Endesgnade, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.»

 

Quelle/Bibliographie:

–  Joseph Betschart: Die Loretokapelle zu Biberegg, ihre Entstehung und ihre Privilegien. Einsiedeln 1882.

–  L. Birchler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz, Bd. 2 (KDM der Schweiz Bd. 2), Basel 1930, S. 151–156.

– Gerd Josef Weisensee (Hrsg.): Das Wunder von Loreto. Über das Wunder der Übertragung des heiligen Hauses nach Loreto. Lauerz 31998.

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Die Loretokapelle als Familienbesitz
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Die Loretokapelle von Biberegg ist eine Privatkapelle mit halböffentlichem Charakter. Für den Erhalt sowie die Restaurationen sorgt die Trägerstiftung Von Reding-Biberegg.

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